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Edle Weine mit langer Tradition

Nicht nur bei den Einheimischen beliebt

Dr.ReinhardBartsch©JenaKultur, Roman Möbius

Sonnige Muschelkalkhänge, sanftes Klima – schon vor Jahrhunderten siedelte sich der Weinbau in Jena an. Müller-Thurgau, Weißburgunder oder Portugieser – die feinen Tropfen sind nicht nur bei den Einheimischen beliebt. Wenn es nach Dr. Reinhard Bartsch geht, soll sich der lokale Weinbau in den kommenden Jahren verdoppeln.

Wein aus Jena ist für viele Gäste der Stadt ein Insider-Tipp. Wie groß ist denn die aktuelle Weinbaufläche im Stadtgebiet?

Wir zählen heute elf Hektar Weinbau in Jena. Das ist natürlich nur ein Bruchteil dessen, was es früher hier gab. Weinbau wird seit über 800 Jahren in Jena betrieben. In den Verzeichnissen ehemaliger Klöster lassen sich rund 700 Hektar Rebfläche nachweisen. Vor der Gründung der Universität 1558 war der Weinbau vermutlich die Haupterwerbsquelle in Jena.

Sie sind Vorsitzender des Vereins Jenaer Käuzchenberg. Was ist das Besondere an Ihrem Wein?

Unsere Weine sind extrem sonnenverwöhnt, sie kommen vom Südhang und stehen auf trockenen Standorten, was die  Aromabildung sehr begünstigt. In den letzten Jahren haben wir mehrere Medaillen für unsere gute Weinqualität bekommen. Jenaer Wein verkauft sich wunderbar! Die Trauben wachsen in reiner Handarbeit heran, Maschinen können wir fast nicht einsetzen. Zwar produzieren wir trotzdem keinen Bio-Wein – dafür sind unsere Flächen zu klein, bestimmte Vorgaben können wir nicht einhalten. Aber wir arbeiten nach den Regeln des integrierten Anbaus, das heißt, wir spritzen nicht nach Gusto, sondern nur nach bestimmten Warnmeldungen.

Können Weinliebhaber auf eine Weinprobe bei Ihnen vorbeischauen?

Ja natürlich! In 2019 standen mehrere Weinevents auf dem Programm. Von der Weinwanderung im April, dem Zwätzener Weinfrühling im Juni mit Verkostung und Weinbergführung bis hin zum Tag des offenen Weinbergs Anfang August. Individuelle Veranstaltungen bieten wir nach Absprache an. Wir haben ja nicht nur guten Wein, sondern auch sehenswerte Orte und interessante Geschichte zu bieten: den Kunitzer Weinberg, das Kulturdenkmal Holzbrücke, die Zwätzener Ordenskomturei, die für den Weinbau wichtig war, und den Weinberg Käuzchenberg. Das ist eine herrliche Wanderung! Die Weinfeste sind Aktivitäten, mit denen wir unsere Attraktionen bekannt machen wollen.

WeinbergJena©JenaKultur, Roman Möbius
Jenaer Käuzchenberg
WeinbergJena©JenaKultur, Roman Möbius
Weinberg

Jena als Hotspot des Weintourismus – wäre das in Zukunft denkbar?

Das ist unsere Vision! So wie man in Wien zu den Heurigen fährt, so könnte man von Jena nach Kunitz rausfahren. Unterhalb der Weinflächen ist Platz für ein kleines Weindorf. Die schöne Lage unweit der Saale, mit dem Weinberg vor der Nase, bietet sich für Weinevents geradezu an. Wir sind 2004 mit 2 ha Anbaufläche im Stadtgebiet gestartet. Wenn es nach mir geht, landen wir in einigen Jahren bei 20 ha. Das ist nicht einfach, denn man braucht die Flächen und Leute, die sich mit dem Weinbau befassen. Wir sind ja alle Freizeitwinzer.

Einen eigenen Weinberg zu besitzen – davon träumen viele. Ist das tatsächlich so romantisch, wie man sich das vorstellt?

Der Käuzchenberg im Norden der Stadt ist ein steiler Hang. Ab Februar beginnt der Rückschnitt der Reben, was in der Hanglage sehr mühsam ist. Das arbeitsreiche Frühjahr reicht bis Ende Mai. Auch im Sommer gibt es noch einiges zu tun. Erst ab Mitte August ist Ruhe, dann kann man nur noch auf gutes Wetter hoffen! Und im September/Oktober ist die Weinlese dran. Für Romantik ist da wenig Zeit. Aber wir freuen uns bei aller Arbeit jedes Jahr auf das Ergebnis, den guten Wein!

Welche Weine kommen vom Käuzchenberg?

Bei den weißen Trauben haben wir einen stetigen Zuwachs an Weißburgunder. Er drängt den Müller-Thurgau zurück. Das hängt mit dem Wetter zusammen. Weißburgunder wird im Oktober, ein paar Wochen später als Müller-Thurgau, gelesen. Dann ist die Wetterlage stabiler, die Nächte sind kälter – so bekommt der Wein nochmal einen Aromakick. Die optimale Reifezeit erstreckt sich über sieben bis acht Tage, daher lässt sich die Lese schieben. Blauer Portugieser und Dornfelder sind unsere Rotwein-Sorten.

Und dann erntet jedes Mitglied die eigenen Trauben und bringt sie in die Kelterei?

Nein, Wir ernten ja nicht viel. Auch wenn es für den Laien viel aussieht – in guten Jahren produzieren wir 7000 Flaschen, in schlechten Jahren sind es nur 3000. Das sind Kleinmengen – die brauchen besondere Aufmerksamkeit, auch in der Verarbeitung. Deshalb gibt es bei uns einen Weißburgunder von den Trauben aller Winzer, die diese Rebsorte anbauen. Die Trauben werden im Thüringer Weingut Bad Sulza zusammen gekeltert. Beim Müller-Thurgau ist genauso. Unser Rotwein ist dagegen ein Cuvé, der etwa je zur Hälfte aus Dornfelder und Portugieser besteht.

War 2018 mit dem langen trockenen Sommer ein gutes Weinjahr?

Die 2018er Weine werden vielen gefallen, sie sind alkoholreich und säurearm, sehr angenehme Weine. Aber durch die geringe Säure sind sie wenig lagerfähig. Das wird kein „Jahrhundertwein“, denn Weine, die als Jahrhundertweine gelten, sind lange lagerfähig. Saale-Unstrut-Weine haben generell wenig Säure, sie bewegen sich immer am unteren Ende des Optimums. Das liegt an unseren trockenen Lagen. Es kommt aber auch auf die Kellertechnik an. Diese ist heute darauf ausgerichtet, Konsumweine zu erzeugen, das heißt, nach einem Vierteljahr in der Flasche bereitet der Wein guten Trinkgenuss und er hält sich zwei bis drei Jahre. Vor Ablauf von fünf Jahren müssen diese Weine getrunken werden, damit sie nicht kippen.

Haben Sie einen Tipp für die Jenaer und ihre Gäste? Wo können sie den Wein genießen, außer zur Weinprobe?

In Jena wollen wir keine Massenproduktion haben, auch mit den angestrebten 20 ha nicht. Das bedeutet, dass wir der gesamten Gastronomie nicht garantieren können, dass wir sie das ganze Jahr mit unseren Weinen versorgen. Wir beliefern die Restaurants jedoch für Feiern, wenn die Gäste unseren Wein haben wollen. Das können wir sicherstellen. Über unsere Website kann man anfragen, wo man den Wein kaufen kann, ebenso in einigen Weingeschäften sowie in der Jena Tourist-Information.

Wein, Wagnergasse