Thomas Sperling | Freude am Tanzen | Clubszene | Elektronische Musik

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Freude am Tanzen - Thomas Sperling

Musik ist der Schlüssel zu den Leuten

Thomas Sperling, Freude am Tanzen, Fatplastics Recordstore

Label-Gründer, Musikveranstalter und Urgestein der Jenaer Clubszene: Thomas Sperling ist ein musikalisches Multitalent, das im Hintergrund die Strippen zieht. Mit dem Label „Freude am Tanzen Recordings“, der dazugehörigen Booking-Agentur, einem Plattenladen für elektronische Musik und seinem Engagement beim Kult-Club Kassablanca hat der 49-Jährige die Musikszene der Saalestadt ordentlich aufgemischt.

Lokale Talente bei „Freude am Tanzen“

Musik hat für Thomas Sperling schon immer eine wichtige Rolle gespielt: „Ich habe bereits zu DDR-Zeiten elektronische Musik gehört. Nach der Wende hat man sich dann gefragt, was es sonst noch so gibt und ist nach Berlin, Leipzig oder in andere Städte gefahren, um die Musik dort zu hören. Irgendwann habe ich mir gedacht, wenn die das dort machen, warum können wir das nicht?“ Gesagt, getan. Der gebürtige Apoldaer begann damit, Partys für elektronische Musik in Jena zu organisieren. Entstanden ist zunächst die Veranstaltungsreihe „Freude am Tanzen“. 1998 kam dann das Musiklabel dazu, das Sperling gemeinsam mit Sören Bodner und Gabor Schablitzki gegründet hat:

Wir haben gesehen, dass es bei uns Leute gibt, die nicht nur Schallplatten auflegen, sondern auch Musik machen.

Es galt, diesen Künstlern eine Bühne zu bieten: „Der Ursprungsgedanke war, die talentierten Leute in unserer Umgebung zu fördern und mit ihnen gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen.“ In den Anfangsjahren veröffentlichte das dreiköpfige Team zunächst nur wenige Platten, ab 2001 wurde das Label dann professioneller betrieben. 2002 stießen mit Grit Sachse und Mathias Veith auch zwei weitere Teammitglieder hinzu. Im Vordergrund stand aber nach wie vor die Musik: „Wir hatten nicht den großen Masterplan, mit dem Label Millionäre zu werden. Die Intention war die Musik – die ist der Schlüssel zu den Leuten.“ Aktuell stehen etwa 10 Künstler unter Vertrag, mit dabei sind europaweit erfolgreiche Musiker wie Mathias Kaden oder Marek Hemmann.

Kreativschmiede „Kassablanca“

Die Geschichte von „Freude am Tanzen“ ist eng mit dem „Kassablanca“ in Jena verknüpft: „Ohne das ‚Kassablanca‘ gäbe es das Label und viele der Musiker in der Stadt nicht“, erklärt Thomas Sperling. „Es ist wichtig, dass es einen Club gibt, der viele musikalische Facetten abdeckt und die Leute einfach machen lässt. Der Zeit und Raum bietet, sich zu entwickeln, Ideen zu spinnen und die Möglichkeit, diese dann mit Veranstaltungen oder Workshops umzusetzen.“ Die Idee, in Jena einen Club aufzuziehen, ist bereits zur Zeit der Wende entstanden. In seiner bald 30-jährigen Geschichte ist das „Kassablanca“ schon viermal umgezogen, in drei verschiedene Lokalitäten. Die heutige Location am Westbahnhof ist maßgeschneidert: „Wir haben damals in Kooperation mit der Stadt den Club geplant – von den Steckdosen über die Platzierung der Bar bis hin zur Gestaltung der Türen“, erzählt Thomas Sperling, der heute noch Veranstaltungskonzepte für den Club entwickelt.

Das „Kassa“ ist immer noch eine Spielwiese für Künstler aller Art.

Der Schwerpunkt liegt auf Musik, es gibt aber auch eine Kooperation mit dem Theaterhaus in Jena sowie Kinoabende, Vorträge und Lesungen. Daneben werden Workshops für DJs und Musiker veranstaltet oder Projekte wie das Näh-Café. Platz bleibt auch für eine Break-Dance-Szene und Graffiti-Künstler, die sich an den Wänden der Waggons austoben können. „Es ist ein sehr vielfältiges Haus, das ist wichtig für Jena“, fasst Thomas Sperling zusammen.

 

Fatplastics Record Store – ein Paradies für Plattensammler

Neben dem Label und der dazugehörigen Booking-Agentur betreiben Thomas Sperling, Grit Sachse, Sören Bodner und Mathias Veith seit 2001 auch den „Fatplastics Record Store“ im Schillergäßchen. Im Laden wurde wirklich jede Ecke ausgenutzt: Auf 30 Quadratmetern können Besucher in einem Sortiment aus 15.000 Platten stöbern. Der Fokus liegt auf elektronischer Musik. Das erklärte Ziel ist, den Laden trotz der Digitalisierung so lange wie möglich am Laufen zu halten. Die kultigen Schallplatten sind immer noch gefragt: „Es gibt Musik, die nur auf Vinyl erhältlich ist und Menschen, die es mögen, Musik von einer Platte abzuspielen“, erzählt Thomas Sperling. „Unsere Kunden setzen sich aus einem Mix aus DJs, Vinyl-Freunden und Plattensammlern zusammen.“

Ohne Thomas Sperling und seine Kollegen von „Freude am Tanzen“ wäre Jenas Musikszene definitiv farbloser. Ihnen ist es mitunter auch zu verdanken, dass sich die Stadt im Bereich der elektronischen Musik überregional einen Namen gemacht hat. Durch internationale Größen der Elektro-Musikszene, die sie regelmäßig nach Jena holen, aber vor allem durch die Talentschmiede, die mit „Freude am Tanzen“, „Kassablanca“ und Co. in Jena geschaffen wurde.

Freude am Tanzen Picknick, Strand 22