SaaleHorizontale | Interview Olaf Schubert | Stadtförster Jena

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SaaleHorizontale - Olaf Schubert

„Die Natur enttäuscht dich nie“ - ein Interview mit dem Jenaer Stadtförster

Olaf Schubert, Stadtförster Jena,

Vogelgezwitscher, Blätterrauschen und nichts als frische, klare Luft. Willkommen auf der SaaleHorizontale rund um Jena. Hierher kommt man, um abzuschalten, Energie zu tanken und einfach mal die Perspektive zu wechseln. Olaf Schubert kennt das Gebiet wie kaum ein anderer. Er ist seit über 20 Jahren der Stadtförster von Jena. Als solcher ist er unter anderem für die Pflege der Wanderwege zuständig. Auch nach so einer langen Zeit üben die Wiesen, Wälder und Berge ringsum die Wanderstrecke noch eine Faszination auf ihn aus: „Jeder Abschnitt ist auf seine Art etwas ganz Besonderes.“

Wanderparadies SaaleHorizontale

Wälder, Schlösser, markante Muschelkalkberge und eine pulsierende Stadt, auf die man einen sagenhaften Ausblick hat. All das findet man im Saaletal rund um Jena. Bei diesen Voraussetzungen ist es nicht verwunderlich, dass Wandern hier eine lange Tradition hat. 2008 wurde mit der SaaleHorizontale ein Paradies für Outdoor-Fans geschaffen:

Wir haben damals die schönsten Elemente der Jenaer Landschaft ausgewählt, um Wanderern auf diesem Weg eine Essenz des Besonderen zu bieten,

erzählt Olaf Schubert. Die Pfade erstrecken sich zwischen Jena und Dornburg. Sie ziehen sich über eine Länge von 72 Kilometern und verlaufen durch Naturschutzgebiete und Wälder, vorbei an satten Wiesen, Orchideen, Weinbergen und kleinen, verschlafenen Dörfern. „Man läuft durch naturbelassene Laubwälder, die in ihrer Zusammensetzung ihresgleichen suchen. Hier gibt es noch Baumarten, wie sie vor vielen tausenden Jahren existierten.“ Immer wieder kommt man auch an historischen Burgen, Schlössern und Ruinen vorbei, die an vergangene Zeiten erinnern.

Wandern mit Panoramablick

Auf einem Aufstieg zur SaaleHorizontale erlebt man spektakuläre Ausblicke. Man blickt über bunte Wiesen, uraltes Gestein, Kiefernhaine oder Buchenwälder in die Weite des Saaletals. Ganz besondere Aussichtspunkte sind die Burgen und Schlösser: die Kunitzburg, die Dornburger Schlösser oder die Lobdeburg warten darauf, entdeckt zu werden. Immer im Blick hat man auch die Saalestadt Jena, die stets in gut erreichbarer Distanz bleibt.

Die SaaleHorizontale ist dank der Nähe zur Stadt ein beliebtes Ausflugsziel, auch für einen Kurzabstecher nach Feierabend. „Von Sportenthusiasten über klassische Wanderer bis zu den Bewohnern der Stadt – die SaaleHorizontale vereint verschiedenste Nutzergruppen“, schildert Olaf Schubert.

Auf den ausgebauten Forstwegen kann man gerade als Familie wunderbar Rad fahren. Wir arbeiten momentan daran, das Angebot für Mountainbiker auszuweiten.

Sportbegeisterte kommen auch bei der „Horizontale – Rund um Jena“ auf ihre Kosten. Der 24-Stunden-Lauf wird einmal jährlich veranstaltet. Unter den Sportlern hat sich auch der Staffellauf etabliert, der auf der Route der SaaleHorizontale verläuft.

Wer sich sportlich betätigt, braucht zwischendurch auch einmal eine Pause. Gelegenheiten, bei einem kühlen Bier, regionalen Gerichten und wunderbaren Aussichten die Füße auszuruhen, gibt es zahlreiche. In den 25 Gasthäusern und Berggaststätten auf der Strecke, einige davon auf den höchsten Bergen der Region, sind Wanderer immer willkommen.

 

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Achtsamer Umgang mit der Natur

Ein Großteil des Wanderwegs verläuft durch Naturschutzgebiete. Die SaaleHorizontale ist Lebensraum für kleine und große Tiere. Besonderheiten wie Uhu, Wildkatze, Rebhuhn, Eisvogel oder Fledermaus sind hier heimisch. Die Jenaer Natur ist bekannt für ihren Orchideenreichtum, im Frühjahr ist dies ein Highlight jeder Wanderung. Die Wahrscheinlichkeit, auf seiner Wanderung besondere Pflanzen zu finden, oder einem seltenen Tier zu begegnen ist groß.

Olaf Schubert ist es sehr wichtig, dass die Menschen ein Verständnis für die Natur entwickeln: „Ein Besucher, der die schönen Dinge der Natur erkennt, wird auch sorgsam mit ihr umgehen. Für mich ist deswegen das Wichtigste, dass durch das Wandern auch der Erkenntnisprozess über die Natur angeregt wird.“ Dazu gehört, dass man die natürlichen Kreisläufe im Wald zulässt:

Unser Wald ist nicht ‚aufgeräumt‘.

Es gibt hier auch tote Bäume. Eulen, Spechte oder Kleinsäugetiere leben in, mit und von solchen Biotopen. Tiere und Pflanzen ergänzen sich und bilden den Kreislauf der Natur, der auch unser Leben möglich macht“, erklärt der Stadtförster.

Erholung auf der SaaleHorizontale

„Eine ehemalige Kollegin hat einmal gesagt: ‚Die Natur enttäuscht dich nie‘“, erzählt Olaf Schubert. „Wenn man nach einem stressreichen Arbeitstag einfach mal Ruhe braucht – was ist da schöner und einfacher, als hinaus in die Natur zu gehen?“ Für den Förster geht es dabei um mehr als nur ein wenig frische Luft. Die Natur führt uns vor Augen, was wirklich zählt: „Das Wichtige ist, den Augenblick zu genießen. Wenn ich auf den Muschelkalkfelsen schaue, sehe ich, mit welcher Konstanz er über Jahrmillionen hinweg äußeren Einflüssen trotzte. Durch abfallende Blätter im Herbst wird mir aber auch die Vergänglichkeit bewusst.“

Wer Olaf Schuberts Rat beherzigt und sich bewusst auf eine unvergessliche Wanderung über die SaaleHorizontale und diese Zeit in der Natur einlässt, nimmt neben vielen schönen Erinnerungen vielleicht sogar einige neue Denkansätze mit auf den Weg.

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